Die Wolke

Foto-0043Originaltitel: Die Wolke

Autor: Gudrun Pausewang

Verlag: Süddeutsche Zeitung – Junge Bibliothek

Genre: Gesellschaftskritik, Jugendbuch

Seitenzahl: 206

Erscheinungsjahr (Erstausgabe): 1987

Nach dem Unfall von Fukushima hatte Gudrun Pausewang Noch lange danach geschrieben, doch auch nach dem Tschernobyl-Unfall war sie nicht untätig gewesen. Das Ergebnis von damals war das Buch „Die Wolke“, welches 2006 verfilmt wurde und das ich aufgrund von einer Filmpräsentation gelesen habe.  Der Klappentext besagt folgendes:

Gudrun Pausewang, geboren 1928 in Böhmen, wuchs unter dem Einfluss der Wandervogelbewegung auf. Nach dem Krieg wurde sie Lehrerin und lebte mehrere Jahre in Südamerika. Bekannt wurde sie durch ihre engagierten Bücher zu politischen und historischen Themen.

 

Süddeutsche Zeitung Junge Bibliothek

50 Lieblingsbücher zum Vorlesen und Selberlesen, ausgewählt von der Kinder- und Jugendbuchredaktion der Süddeutschen Zeitung.

 

Tschernobyl ist fast vergessen, da geschieht ein Reaktorunfall in Grafenrheinfeld – die Bundesrepublik hat ihren SuperGAU. Die Behören beschwichtigen, doch in der Bevölkerung bricht Panik aus. Die 14jährige Janna-Berta und ihr kleiner Bruder Uli sind völlig schutzlos den schrecklichen Folgen der Katastrophe ausgeliefert. Dieser utopische Roman über die Gefahren der Atomkraft polarisierte die Öffentlichkeit. Rita Süßmuth, die damalige Familienministerin, verlieh ihm 1988 den Deutschen Jugendliteraturpreis mit den Worten, dass politische Streitkultur ein wichtiger Bestandteil jedes demokratischen Systems sei.

Hierbei sei jedoch direkt angemerkt, dass utopisch das völlig falsche Wort für den Inhalt des Buches ist, ganz im Gegenteil. Die Wolke beschreibt die Geschichte von Janna-Berta, die zum Zeitpunkt der Katastrophe auf ihren kleinen Bruder Uli aufpassen muss, während der Rest der Familie, sich welch Zufall, in der Nähe des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld, dass im Übrigen auch in der Realität existiert und voraussichtlich 2015 abgeschaltet werden soll, aufhält. So beginnt für Janna-Berta der Kampf ums Überleben.

Und dieser Kampf hat es in sich. Pausewang zeigt deutlich, wie die Menschen sich im Falle einer Katastrophe wohl verhalten würden: Sie werden zu Tieren, stets auf ihr eigenes Wohl bedacht und höhere Instanzen, die einst für ihre Sicherheit verantwortlich waren, missachtend. Auf der Flucht vor der Wolke, die die Strahlung auch in Janna-Bertas Heimat bringt, gibt es kaum jemand, der auf andere als die eigene Familie Acht gibt. So freundlich die Menschen einst auch waren, im Überlebenskampf sind sie alle Feinde. Und dieser Aspekt verleiht dem Buch schonmal einen ganz besonderen Pluspunkt.

Im weiteren Verlauf der Geschichte werden sowohl die persönlichen als auch die gesellschaftlichen Folgen einer solchen Katastrophe deutlich. Diejenigen aus der Sperrzone, die überlebt haben, werden zu Aussätzigen, gleichzeitig kämpfen jedoch auch bisher nicht Betroffene gemeinsam gegen die Atomkraft, während andere widerrum den Ernst der Lage bzw. die eigene Schuld nicht anerkennen.

Die ganze Geschichte wirkt einfach glaubwürdig und echt. Und käme es in den letzten Jahren der deutschen Atomkraft noch zu einer solchen Situation, was niemand wirklich ausschließen kann, so würden die Menschen sich vermutlich tatsächlich genau so verhalten. Zudem ist der Schreibstil recht einfach gehalten und Janna-Berta als Charakter bleibt trotz allem ein Mensch und keine dankbare Super-Heldin, wie man es bei Geschichteb über solch fatalen Situationen doch leider zu oft liest. Denn wenn das komplette Leben zerissen wird, kann man nicht nur dankbar sein, dass es freundliche Menschen gibt die einen helfen und dass man selbst noch am Leben ist. Das können Mary Sues, aber keine Menschen.

Und aus diesen Gründen, dass das ganze einfach echt wirkt und zudem leicht zu lesen ist, fesselt die Wolke den Leser und hinterlässt einen tiefen Eindruck, besonders in der heutigen Zeit des Atomausstiegs und ganz besonders wohl, wenn das nächste AKW bei klarem Wetter in Sichtweite ist. Denn „Die Wolke“ redet nichts schön. Sie zeigt die gnadenlose Realität, die einträte, sollte eben doch was passieren. Und diese Realität wird uns im Ernstfall alle einholen.

Daher vergebe ich 5 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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