Die Bücherdiebin

Foto-1261Originaltitel: The Book Thief

Autor: Markus Zusak

Verlag: blanvalet

Genre: Drama

Seitenzahl: 586 + Anhang

Erscheinungsjahr(DE): 2008

Die Bücherdiebin ist ein Buch, das mir schon vor einer Weile empfohlen wurde. Nun, da die Geschichte verfilmt wurde, scheint es schon nahezu einen Hype um das Buch zu geben, zumindest stößt man doch recht häufig in letzter Zeit darauf. Doch was verbirgt sich nun hinter der Bücherdiebin?  Der Klappentext kündigt folgendes an:

Im Alter von neun Jahren hat Liese schon vieles verloren. Ihren Vater, einen Kommunisten. Ihre Mutter, die ständig krank war. Ihr Bruder Werner – auf der Fahrt nach Molching zu den Pflegeeltern. Als der Bruder stirbt, gerät sie zum ersten Mal ins Blickfeld des Todes. Und sie stiehlt ihr erstes Buch – ein kleiner, aber folgenreicher Ausgleich für die erlittenen Verluste. Dann stiehlt sie weitere Bücher. Äpfel und Kartoffeln. Das Herz von Rudi. Das von Hans und Rosa Hubermann. Das von Max.

Und das des Todes.

Denn selbst der Tod hat ein Herz.

>>Anrührend und aufwühlend.<< Süddeutsche Zeitung

>>Ein Buch auch, über das man beinahe so viel Gutes sagen möchte, wie es Seiten hat.<< Jüdische Zeitung

>>Lakonisch und anrührend, witzig und traurig – ein ganz besonderes Buch.<< Freundin

Der SPIEGEL-Bestseller erstmals im Taschenbuch

Deutsch von Alexandra Ernst

Wofür sich Die Bücherdiebin unter Anderem wohl einen Namen gemacht hat, ist wohl die Erzählperspektive. Denn die Geschichte des Mädchens Liesel Memminger wird von keinem geringeren als dem Tod erzählt, woraus sich schonmal eine interessante Perspektive entwickelt. Einerseits ist der Tod für die meiste Zeit der Handlung kaum präsent und könnte genauso gut irgendein anderer Erzähler sein, andererseits erzählt er in manchen Passagen von seiner Arbeit und seiner Existenz. Wer das Buch allerdings nur wegen der Erzählperspektive lesen will, der sollte lieber die Finger davon lassen.

Denn obwohl der Tod das Wort hat, dreht sich die Geschichte vor allem um ein deutsches Mädchen zur Zeit Hitlers.

Was mir an der Bücherdiebin durchaus gefiel, war, dass nicht nur das Leid der Juden, sondern auch das der allgemeinen Bevölkerung gezeigt wird. Natürlich ist es wichtig, die antisemitistischen Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, so ist es nicht verwunderlich, dass in der Bücherdiebin auch ein Jude eine bedeutende Rolle spielt, allerdings neigen viele Bücher, die zu dieser Zeit angesiedelt sind, alles außer den Antisemitismus völlig auszublenden. Dies tut Die Bücherdiebin nicht.

Die Geschichte selbst lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Passend. Die Ereignisse sind nicht zu geballt, was die Authenzität gefährden könnte, allerdings gibt es auch keine Stelle, die sich wirklich nennenswert zieht. Man kann sich durchaus vorstellen, dass sich ein ähnliches Schicksal zu der Zeit sogar ereignet haben könnte. Dies liegt vermutlich auch an den Charakteren, die einem im Laufe der Zeit wirklich ans Herz wachsen, weil sie eben echt und keineswegs falsch und übertrieben wirken.

Zum Schreibstil lässt sich sagen, dass Zusak wohl eine Vorliebe für eher ungewöhnliche Metaphern hat, besonders, was die Beschreibung von Worten und des Himmels angeht. Doch obwohl sowas bei mir meist das Gefühl von Pseudo-Tiefsinnigkeit auslöst, hat es mich in diesem Fall nicht wirklich gestört.

Womit wir auch bei den Worten sind. Denn diese spielen passenderweise eine große Rolle. Passend deswegen, weil Worte gerade zu solchen Zeiten zu großen Waffen und gleichzeitig großen Gefahren werden können. Liesel findet in der Geschichte, die sie quasi als Analphabetin beginnt, ihren ganz eigenen Weg zu den Worten und gerade Bücherwürmer dürften sich auf diesem Weg in gewisser Weise verstanden fühlen. Doch welche Bedeutung die Worte letztendlich haben werden, das werde ich hier nicht verraten…

Doch ganz perfekt ist die Bücherdiebin auch nicht. Gerade das Ende hat einen sehr zwiegespaltenen Eindruck in mir hinterlassen. Einerseits sind die Toten – denn in Kriegszeiten müssen Menschen nunmal sterben, das lässt sich nicht verhindern – passend gewählt. Es gibt weder ein Happy noch ein Bad End und mit dieser Verteilung von Leben und Tod unter den Charakteren hätte ich nicht gerechnet, obwohl man es mit einer großen Portion Wunschdenken hätte vorausahnen können. Allerdings würde mich eines doch interessieren: Wie führt Liesel ihr Leben weiter? Es wird erwähnt, dass sie in Australien, der Heimat Zusaks, stirbt und Ehemann, Kinder und Enkelkinder hatte. Aber wie es dazu kam, das wird schlichtweg verschwiegen und obwohl es nett ist, es dem Leser zu überlassen, wie er oder sie diese Lücke der Geschichte füllen will, hinterlässt es doch ein unbefriedigendes Gefühl bei mir. Denn ich persönlich habe eine kleine Wunschvorstellung, wie genau aus zu diesem Leben nach den Bücherdiebstählen kommen könnte, jedoch würde ich zu gerne Wissen, ob ich damit die Gedanken des Autors treffe oder vollkommen danebenliege.

Zudem wird im Nachwort ausdrücklich erwähnt, dass Zusak versuchen wollte, mit dem Buch den Denkansatz aufzuzeigen, dass der Tod Angst vor Menschen hat. Als ich diese Aussage las, kam mir lediglich folgendes in den Sinn: „Bitte was?“

Es stimmt zwar, dass Zusak verdeutlicht, dass der Tod nicht böse, sondern eher Sympathieträger ist, aber wo hat er denn Angst vor der Menschheit im generellen? Er ist fasziniert, er mag ihre Taten nicht unbedingt, aber Angst? Wenn das wirklich das Ziel des Buches hätte sein sollen, ist die Botschaft an mir zumindest komplett vorbeigeschlittert.

Dennoch ist Die Bücherdiebin von Markus Zusak eine schöne und passende Geschichte, die sich jedem empfehlen lässt, der sich für das Thema interessiert (und das Buch nicht nur wegen der Erzählperskeptive lesen will, denn in dem Falle könnte man wohl doch ein wenig enttäuscht werden). Daher gibt es 5 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Advertisements

Ein Kommentar zu “Die Bücherdiebin

  1. Huhuuu. Soo da musst ich doch gleich auchc mal hier vorbeischauen und deine Rezi zu dem Buch lesen. Ach da stimm ich dir aber zu, wenn das Buch wirklich zeigen wollte, das der Tod Angst vor dem Menschen hat, dann ist das auch an mir total vorbei gegangen. Und jetzt, wo es schon etwas her ist, dass ich meine Rezi geschrieben habe, merk ich auch, dass es wirklich schön gewesen wäre, wenn man am Ende noch mehr erfahren hätte. Aber alles in allem, war es ja wirklich ein tolles Buch :). Glg Franzi

Meinung schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s