Momo – Ein Märchen-Roman

Das Cover mit Scan-Code der Bibliothek

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Originaltitel: Momo oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte

Autor: Michael Ende

Verlag: Piper

Genre: Kinderbuch, Jugendbuch, Klassiker, Märchen und Sagen, Fantasy

Seitenzahl: 300

Erscheinungsjahr (Erstausgabe): 1973

Die 2003 produzierte Zeichentrick-Adaption von Momo war ein Stück meiner Kindheit, weswegen früher oder später der Tag kommen sollte, an dem ich mich dem Werk von Michael Ende einmal persönlich widme.

Der Klappentext sagt folgendes aus:

Der Weltbestseller, der von Momo, der Schildkröte Kassiopeia, Meister Hora und den grauen Herren erzählt.

Momo lebt am Rand einer Großstadt in den Ruinen eines Amphitheaters. Sie besitzt nichts als das, was sie findet oder was man ihr schenkt, doch sie hat eine außergewöhnliche Gabe: Sie hat immer Zeit und ist eine wunderbare Zuhörerin. Eines Tages treten die grauen Herren auf den Plan. Sie haben es auf die kostbare Lebenszeit der Menschen abgesehen, und Momo ist die Einzige, die ihnen noch Einhalt gebieten kann …

>>Ein eindrucksvolles Plädoyer, den Alltag nicht mit der Trauer um verlorene Jahre, sondern mit einer Summe aus Glücksmomenten und gefühlten Ewigkeiten anzufüllen.<< Die Welt

Gleich zu Beginn der Geschichte wird deutlich spürbar, dass der Stil Endes dem heutiger Autoren recht unähnlich ist, doch das schadet der Geschichte nicht, nein, ganz im Gegenteil, vielmehr macht dieser eher altbackene Stil die Atmosphäre des Buches aus.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt, die Kapitelzahl jedoch ist fortlaufend und beginnt nicht in jedem Abschnitt neu.

Der erste Teil Momo und ihre Freunde beschäftigt sich mit der Ankunft und dem Alltag Momos. Ganz besonders gefielen mir hierbei die stellen mit Gigi, dem Fremdenführer. Dieser denkt sich gerne Geschichten aus, die in die eigentliche Geschichte des Buches eingebettet sind, ohne den Leser zu verwirren. Gigis Geschichten und auch die gespielte Geschichte, die sich die anderen von Momos Freunden ausdenken, sind im Reich der Fantasie und Abenteuer anzusiedeln und sorgen für eine kurzweilige, verträumte Unterhaltung zwischendurch.

Im zweiten Teil Die grauen Herren treten die im Titel benannten erstmals auf und breiten sich langsam in der Stadt aus. Nach und nach erfährt man, was es mit den grauen Herren eigentlich auf sich hat und Momo und ihre Freunde beginnen, sich gegen diese zu rüsten.

Jedoch ist Momo im dritten Teil Die Stunden-Blumen ziemlich auf sich allein gestellt. Wird sie es dennoch schaffen, die grauen Herren zu besiegen?

Betrachtet man die Handlung selbst, ist Momo wohl eher ein Kinderbuch, auch wenn die Sprache vielleicht für ein paar Verständnisproblemen bei Kindern führen könnte. Im Grunde geht es bloß um ein kleines Mädchen, dass mit Hilfe einer ungewöhnlichen Schildkröte und einigen Fantasy-Elementen die Welt vor ebenso aus dem Bereich der Fantasie stammenden Gestalten retten muss.

Doch liest man zwischen den Zeilen, ließe sich so unglaublich viel in das Buch hineininterpretieren und dies ist wohl auch die Absicht Endes gewesen, denn besonders Meister Hora gibt dem Leser immer wieder Denkanstöße. Denn haben wir alle nicht an irgendeiner Stelle unseres Alltags einen grauen Herrn sitzen, der uns von eigentlich so wichtigen Dingen wie Freude und Freundschaft abhält, weil wir gerade „keine Zeit“ haben?

Man könnte an dem Buch kritisieren, dass Momo eine Mary-Sue wäre, aber obwohl sie die Menschen durch ihre bloße Art verändern kann, wirkt sie trotzdem nicht zu gekünstelt. Sie bleibt dennoch ein kleines Mädchen und wird nicht zu einer Plastik-Puppe.

Was mich persönlich ein wenig gestört hat, ist, dass der „Endkampf“ ziemlich kurz war. Man hätte diesen ruhig noch ein wenig mehr ausgestalten können, auch wenn das Buch dann vielleicht 50 Seiten mehr gehabt hätte, es hätte der Geschichte wohl nicht das Genick gebrochen.

Aber darüber lässt sich hinwegsehen. Momo von Michael Ende erhält von mir somit 5 von 5 Kreuzen, weil sich einfach so viel in die Geschichte hineininterpretieren ließe, sie aber dennoch auch für jüngere Leser geeignet ist.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

P.S.: Hierbei handelt es sich um ein Buch, bei dem das Nachwort des Verfassers wirklich lesenswert ist.

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7 Kommentare zu “Momo – Ein Märchen-Roman

  1. Michael Ende war ein wunderbarer Autor, zeit- und alterslos. Er liebte Allegorien, hat sich aber nie von Ihnen verführen lassen und seine Bücher zugunsten der Symbole der Geschichten beraubt, sondern beides immer wieder kunstvoll miteinander verwoben. Dieser Aspekt und mehr kommt in deiner Besprechung wunderbar zum Ausdruck. Allzu lange habe ich keines der „Kinderbücher“ von Ende mehr zur Hand genommen – vielleicht ist es mal wieder Zeit die unendliche Geschichte, Jim Knopf oder eben Momo wieder zu lesen. Ich danke dir.

    LG

    P.S.: Ich kann Michael Endes Erzählungen in „Das Gefängnis der Freiheit“ und das „Michael Ende Lesebuch“ nur empfehlen, gerade wenn du Endes Nachwort zu Momo interessant fandest.

  2. Eine wunderschöne Rezension zu einer wunderschönen Geschichte! Ich liebe Momo auch immer noch, und das, obwohl ich offiziell schon erwachsen bin. 😉

    Die Geschichte ist total schön geschrieben, sein Schreibstil ist wunderbar und die Botschaft, die er den Lesern übermitteln möchte, ist nicht nur etwas für Jüngere. 😉

    Liebe Grüße!
    Buchheldin

  3. Ich habe Momo vor einigen Jahren endlich einmal gelesen, konnte mich den weltweiten Lobgesängen aber nicht so richtig anschließen.
    Ja, mir ist schon klar, dass dahinter viel Interpretationsspielraum bzw. eine eigentlich klare Botschaft liegt, aber die Faszination für die Thematik blieb bei mir einfach aus.

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