sätze über planken

Foto-1215Originaltitel: sätze über planken

Herausgeber:  Bundeswettbewerbe der Berliner Festspiele/Treffen junger Autoren

Genre: Anthologie

Seitenzahl: 120

Erscheinungsjahr: 2014

Ob es ein guter Trostpreis ist, den Verlierern eines Schreib-Wettbewerbs die Anthologie der Sieger zu schenken, sei mal dahingestellt.  Um die Gewinner-Anthologie des Treffen junger Autoren der Berliner Festspiele handelt es sich jedenfalls bei sätze über planken.

20 von 980 Teilnehmern wurden zu den Gewinnern des Wettbewerbs gekürt. Doch was bieten die Besten der Besten?

Eine Anthologie zu beurteilen ist recht schwer, doch bei dieser ist es wohl besonders schwer, da sie so vielfältig ist, wie sie nur sein könnte: Von Prosa über Lyrik bis zum Drama lässt sich alles finden. Und genau wie die Genres sind auch die Themen unglaublich vielfältig, denn die einzige Gemeinsamkeit der Texte ist die, dass die Autoren zwischen elf und 21 Jahren alt sind.

Vor allem die Prosa- und Drama-Werke gefielen mir überwiegend. Natürlich fanden sich hierbei auch welche, bei denen ich mich fragte, wo genau jetzt der Sinn liegen soll, da er nicht immer in der Unterhaltung zu finden war, doch im Großen und Ganzen konnte ich mich für diese beiden Bereiche wirklich begeistern und hoffe auch, von dem/der ein oder anderen künftig noch zu hören.

Doch was ist mit der Lyrik?

Man mag mich einen Kultur-Banausen schelten, aber oftmals konnte ich damit eher weniger anfangen. Ja, ich lese häufiger Prosa als Lyrik, aber dennoch kann man mich ab und an mit einem Gedicht vor den Augen vorfinden, ein „Seitenfetzer hat einfach keine Ahnung“ kann also nicht als Ausrede gelten.

Manche Gedichte waren ja völlig in Ordnung. Vielleicht nichts, was die Welt für mich verändert hat, aber immerhin. Bei anderen „Gedichten“ drängte sich mir aber einfach bloß die Frage aus, warum der ein oder andere Text gewonnen hat?

Denn ist etwas gleich „Kunst“, bloß weil jemand in der Lage war, beliebige, teils selbsterfundene Wortlaute, die nur geringfügen Sinn für den Leser ergeben, ohne irgendwelche Satzzeichen oder gar Groß- und Kleinschreibung, aneinander zu ketten? Realistisch gesehen haben solche Texte doch, außer in solchen Wettbewerben, wo sie vielleicht als Werk einer höheren Intelligenz gelten können, keine Chance, denn sie sind weder für einen Poetry Slam geeignet, weil sie laut gelesen noch weniger Sinn ergeben als auf dem Papier, noch kann ich mir vorstellen, dass es viele Menschen gibt, die sich sowas freiwillig antun würden.

Und das hat mich enttäuscht. Ich wette, es hätte einige bessere lyrische Leistungen, vielleicht ja sogar ein paar schöne Balladen gegeben, die es nicht in die Anthologie geschafft haben,

bloß weil ein text der sich etwa so liest und eigentlich noch mit abstrakteren begriffen kunterbuntigfach ausgeschmückt werden müsste von wasserperlenspielen,

ihnen den Platz „gestohlen“ hat. Und hierbei meine ich definitiv nicht meine eigene Einsendung, da es sich bei dieser um Prosa handelte und es durchaus verständlich ist, dass die Anthologie nicht nur aus Prosa bestehen soll.

Somit erhält sätze über planken 3 von 5 Kreuzen, da die Geschichten zwar durchaus lesenswert, der lyrische Teil aber teils eine herbe Enttäuschung ist.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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Ein Kommentar zu “sätze über planken

  1. Hey,

    fand deine kurze Auseinandersetzung mit der Anthologie sehr interessant! Gerade was deine Ansichten zum Stichwort Lyrik angeht, ein Genre mit dem ich mich selbst viel beschäftige. Ich hab jetzt auch nicht vor, eine Lanze für die Lyrik, die sich in dieser Anthologie findet, zu brechen, da ich selbst schon ähnliche Gedanken und Zweifel zu der Wirkung von Lyrik hatte und habe, ein Genre, welches sich dem Leser immer mehr entzieht, um zu einer reinen Form des Autors zu werden. Ich danke dir auf jeden Fall für deinen Kommentar.

    LG
    Timo Brandt

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