Before I die

Foto-1182Originaltitel: Before I die

Autor: Jenny Downham

Verlag: Black Swan

Genre: Drama, Jugendbuch

Seitenzahl: 346

Erscheinungsjahr (Erstausgabe): 2007

Nach langem hat mal wieder ein englischsprachiges Buch den Weg in meine Hände gefunden. Der Klappentext lautet folgendermaßen:

THE INTERNATIONAL BESTSELLER

It’s really going to happen. They said it would, but this is quicker than anyone thought.

When you’re 16 and time is running out,  there’s an awful lot of living to do …

Uplifting, life-affirming, joyous – this extraordinary novel celebrates what it is to be alive by confroning what it’s really like to die.

‚Destined to drive hundreds and thousands of readers to tears and to swift injunctions to all their friends to read it‘  Observer

‚Downham’s prose is brave and bare, her characters relentlessly realistic‘ Sunday Telegraph

‚A work of great humanaty and profound empathy‘ Daily Express

‚Affecting and brave … for everyone, it is a reminder to value the people that matter, seize the Moment, wish with courage, adventure with relish, even if it’s just a trip to the swimming pool, drinking hot chocolate or driving down a dual carriageway in the rain‘ Guardian

Man merkt schon am Klappentext, dass dieses Buch weltweit aufsehen erregt hat und auch in Deutschland dürfte es unter dem deutschen Titel „Bevor ich sterbe“ nicht unbekannt sein. Dieses Bild des weltweiten Erfolgs des Buches wird darin gefestigt, dass auf den ersten vier Seiten des Buches nur positive Meinungen der weltweiten Medien (u.A. auch von Die Welt) abgedruckt sind.

Und schon hat der Verlag wohl den größten Fehler gemacht, den sie mit dieser Ausgabe wohl hätten machen können. Warum zur Hölle tut man das? Drei-vier positive Kritiken zu beginn sind ja noch in Ordnung, aber gleich vier Seiten, auf denen im Prinzip doch immer nur dasselbe steht, nämlich wie genial Downhams Werk doch ist? Muss das sein?

Da ist es nicht verwunderlich, dass man mit sehr großen Erwartungen an das Buch heran geht. Doch kann es diesen Erwartungen gerecht werden?

Die Geschichte beginnt mit Tessas Alltag. Ein Alltag, der im Grunde nur einem dahinvegetieren gleicht, denn von Anfang an ist klar, dass Tessa sterben wird. Schnell wird man mit den Hauptcharakteren des Buches bekannt: Tessa, ihr Vater, ihr Bruder Cal, ihre beste und mittlerweile einzige Freundin Zoey, ihren Nachbar Adam und ihre Mutter.

Doch als allererstes verbringt man Zeit mit Tessa und Zoey. Und hier kommen wir schon auf einen besonderen Punkt in der Geschichte zu sprechen. Zunächst erschien mir Zoey ganz nett. Die Freundin, die Tessa nicht im Stich lässt und dafür sorgt, dass sie lebt und nicht schon vor ihrem Tod zu einer Zimmerpflanze verkommt. Doch dies ändert sich schneller, als man lesen kann.

Ich kann mich nicht erinnern, wann mir ein Charakter dermaßen unsympathisch war.  Zoey bedient das Klischee des Mädchens mit den reichen und dauer-arbeitenden Eltern, dass von allen bewundert wird, weil sie unerschrocken und unabhängig ist, insgeheim aber weder mit sich selbst noch mit anderen klarkommt. Zumindest wirkt sie auf mich so. Und auch das ständige hochloben durch Tessa, von wegen alle anderen Mädchen hätten den Kontakt zu ihr schleifen lassen, aber Zoey wäre bei ihr geblieben, ändert nichts an meiner Meinung. Diese Zoey scheint vielmehr sonst keine Freunde finden zu können. Ich an Tessas Stelle wäre jedenfalls lieber einsam gewesen als mich au solch eine egoistische, rechthaberische Zicke einzulassen.

Aber vielleicht gibt es auch Menschen da draußen, denen Zoey sympathisch ist, wer weiß? Meine Wenigkeit ist schließlich nicht die Welt.

Doch es gibt auch Charaktere, die ich mochte. Besonders zu nennen ist hier Tessas kleiner Bruder Cal. Ich könnte mir gut vorstellen, selbst so einen Bruder zu haben. Einfach, weil er sich verhält wie sich ein Elfjähriger in solchen Situationen eben verhalten würde. Im Kontrast zu Zoey wirkt er einfach so natürlich, so menschlich.

Zum generellen Aufbau der Geschichte lässt sich sagen, dass das Englisch ziemlich leicht verständlich ist und sich somit auch durchaus als Buch für Jugendliche, deren Muttersprache eine andere ist, eignet. Dies wird auch durch die kurzen Kapitel unterstützt, sodass man jederzeit ein Ende für eine Lesepause finden kann. Zudem sind die Beschreibungen der Situationen ausführlich genug, aber nicht zu ausführlich. Hier hat Downham das richtige Mittelmaß getroffen.

Was an dem Schreibstil aber störend ist, sind die abrupten Szenen-Wechsel zwischen den Kapiteln. Man befindet sich irgendwo im Wald, das Kapitel endet und schwupps läuft Tessa die Treppe runter und quatscht mit ihrem Vater. Das mag dafür sorgen, dass man, macht man nach jedem Kapitel eine Pause, schnell wieder in die Geschichte hineinkommt, will man aber mehrere Kapitel am Stück lesen, was wohl häufiger der Fall ist, so wirft es einen doch ziemlich aus der Geschichte raus. Mir ist es durchaus öfters passiert, dass ich ein neues Kapitel anfing, ein paar Sätze las und dann erstmal aufgehört habe, weil es plötzlich wieder eine komplett andere Situation war.

Doch wie sieht es nun mit den Tränen, die man doch angeblich bei diesem Buch so oft vergießt, aus?

Dazu lässt sich sagen, dass mich das Sterben Tessas, dass stilistisch hervorraged und kreativ dargestellt ist, weil die Wach-Phasen und somit die Abschnitte immer kürzer werden, zwar betrübt hat, dies aber wohl eher daher rührte, dass ich dabei über den Krebs generell nachdachte und nicht über sie. Vielleicht lag es an der Sprache, aber ich konnte mit Before I die einfach nicht genügend warm werden, als dass mich Tessas endgültiger Tod nun völlig aus der Bahn geworfen hätte.

Trotz all meiner Kritik ist Before I die ein nettes Buch über Krebs, die Jugend und das Leben, jedoch sollte man wirklich nicht mit zu hohen Erwartungen an die Geschichte herangehen, da das Ganze meiner Meinung nach ziemlich überhypt wird. Daher gibt es von mir ein „ganz nett“ und somit 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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