Die Mechanik des Herzens

Foto-1150Originaltitel: La Mécanique du Coeur

Autor: Mathias Malzieu

Verlag: carl’s books

Genre: Märchen, Drama, Romantik

Seitenzahl: 188

Erscheinungsjahr(DE): 2012

Wenn man ein Buch zu Weihnachten bekommt und es schon vor dem Verwandtenbesuch am ersten Weihnachtstag durchgelesen hat, muss wohl irgendetwas dran sein. Tatsächlich habe ich mir Die Mechanik des Herzens schon ein Weilchen gewünscht, wobei ich gar nicht sicher sagen könnte, warum eigentlich. Der Klappentext lautet folgendermaßen:

Jack ist ein besonderer Junge. Seit seiner Geburt hat er ein mechanisches Herz in Form einer Kuckucksuhr, die jeden Tag neu aufgezogen werden muss. Nur eines muss er dabei bedenken: Er darf sich niemals verlieben, denn das würde sein zartes Uhrwerk nicht aushalten.

Als Jack eines Tages die bezaubernde Tänzerin Miss Acacia kennenlernt, spiel sein Herz sofort verrückt. Doch er lässt sich nicht entmutigen und kämpft um seine Liebe …

>>Ein bezaubernes Liebesmärchen für Erwachsene.<< Maxi

>>Ein Märchen im Tim-Burton-Style: Die Sprache des Buches ist sehr verspielt, stimmungsgeladen, romantisch, irgendwie verträumt.<< WDR

Es stimmt durchaus, was nicht nur der WDR erwähnt, die Geschichte könnte einen Tim Burton Fan durchaus ansprechen, jedoch ist dies kein muss. Meinem Freund, der nichts gegen Tim Burton Filme hat, würde bei dem Buch wohl nach ein paar Seiten das Weite suchen, weil es eben um eines geht: die Liebe. Und wer absolut keine Lust auf Kitsch hat, sollte wohl nicht weiterlesen.

Doch kommen wir zum Buch. Allein das Cover wirkt auf seine eigene, verspielte Art wunderschön und es passt mehr als gut zum Inhalt der Geschichte; jedenfalls könnte ich mir kein passenderes Cover vorstellen.

Die Geschichte selbst dreht sich, wie der Klappentext bereits sagt, um den jungen Jack. Als  Sohn einer Hure wird er in der Hütte von Doktor Madeleine, die in der Stadt als Hexe verschrien ist, geboren. Als sein Herz jedoch nicht vernünftig arbeiten will, wird ihm eine Prothese eingesetzt, die für den Rest seines Lebens dafür sorgen wird, dass er einen Tick anders ist.

Dies klingt relativ außergewöhnlich? Das ist es auch. Mir zumindest ist noch keine vergleichbare Geschichte untergekommen. Bei anderen Büchern hat man doch recht häufig mehrere, die entweder von der Geschichte her extrem ähnlich sind oder doch zumindest auf einem ähnlichen Grundstein basieren. Die Mechanik des Herzens hingegen hat das Rad so ziemlich neu erfunden.

Ebenso speziell ist der Schreibstil, da Personen oftmals auf eine Art umschrieben werden, auf die die wenigsten Autoren und Denker wohl kommen mögen – zumindest, was unsere heutige Zeit angeht. Sollten einen Vergleiche von Menschen mit Bäumen und Vögeln jedoch nicht abschrecken, sollte man mit dem Stil durchaus zurechtkommen.

Und irgendwie passt der Schreibstil auch zum Inhalt. Die Mechanik des Herzens kann man mit Fug und Recht als ein Märchen für Erwachsene (und Jugendliche) bezeichnen, das den Glauben an die eigenen Träume und Ideale sowie die verqueren Wege elterlicher Fürsorge behandelt. Für Kinder im Vorlesealter ist es trotz der Bezeichnung Märchen jedoch nicht geeignet – zum einen wegen der Länge, zum anderen wegen der Thematik, die nicht der üblichen „Prinzessin trifft Prinz und alle sind glücklich“-Schiene entspricht.

Man könnte, wenn man den wöllte, kritisieren, dass die Geschichte doch ziemlich unrealistisch ist – zum einen, die Nutzung einer Kuckucksuhr als Herzprothese, zum anderen diese Fixierung Jacks auf seine Angebetete – doch wenn man sich auf eine derartige Geschichte einlässt, sollte man sich an solchen Dingen nicht stören, zumal die Tatsache, dass Jack scheinbar nur für seine Miss Acacia existiert, die Handlung nicht im geringsten stört.

Zudem muss ich auch gestehen, dass ich teilweise so mit Jack mitgefühlt habe, wie ich es doch nicht immer bei Protagonisten kann. Es war einfach teilweise alles so unfair und gemein und man ist als Leser dennoch so hilflos und machtlos wie Jack.

Letztendlich ist auch das Ende des Buches zu loben, da es den doch teilweise recht starken „Kitsch-Faktor“ schließlich wieder wettmacht und den Leser zusammen mit Jack in die Realtität bringt. So viel sei gespoilert.

Zudem hat das Buch auch die richtige Länge. Oftmals empfinde ich Bücher (und auch Mangas) ja entweder als zu lang oder zu kurz. Im Mittelteil habe ich mich zwar gefragt, was da denn noch alles an Handlung kommen soll, doch letztendlich wurde hier von Herrn Malzieu exakt das richtige Maß getroffen.

Insgesamt ist Die Mechanik des Herzens also eine nicht ganz alltägliche Geschichte über einen nicht ganz alltäglichen Jungen, die den Leser mit in die verträumte Welt von eben jenem entführt, jedoch kein Erzwungenes Happy End besitzt. Dafür gibt es 5 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Advertisements

2 Kommentare zu „Die Mechanik des Herzens

  1. ich hatte das buch schon länger im auge, hab es aber nach einer weile völlig vergessen. danke, dass Du mich daran erinnert hast! und Deinem artikel zufolge ist die geschichte ganz nach meinem geschmack.

    mfg
    ewa (oder auch blacknwhiteloners)

Meinung schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s