Ich wünschte, ich könnte dich hassen

Das Cover (mit Scan-Code der Bücherei)

Das Cover (mit Scan-Code der Bücherei)

Originaltitel: Stolen

Autor: Lucy Christopher

Verlag: Chicken House

Genre: Jugendbuch

Seitenzahl: 365

Erscheinungsjahr(DE): 2011

Irgendwoher kam mir der Titel des Buches schon bekannt vor. So war es nicht verwunderlich, dass ich es bei diesem Klappentext mitnehmen musste.

„Wie lange willst du mich hier festhalten?“, fragte ich. Du zucktest mit den Achseln. „Natürlich für immer.“

Die Geschichte einer Entführung: aufwühlend, verstörend, dramatisch.

Ausgezeichnet mit dem Branford Boase Award 2010

„Unmöglich, dieses Buch wegzulegen!“ The Independent

„Ein faszinierendes, zutiefst bewegendes Buch.“ The Herald

„Wärmstens zu empfehlen.“ Maggie Stiefvater

Einerseits sagt der Klappentext mit wenigen Worten einiges aus, andererseits ist er gleichzeitig recht nichtssagend. Es geht um die 16-Jährige Gemma, die nach einem Streit mit ihren Eltern an einem Flughafen entführt wird. Sie wird von ihrem Entführer Ty ins australische Outback gebracht, wo sie mit ihm vollkommen getrennt von der Zivilisation leben soll.

Ausnahmsweise möchte ich mit dem ersten Kritikpunkt beginnen. Die Geschichte zog sich, als Gemma und Ty erstmal im Outback angekommen sind. Manchmal musste ich mich wirklich überwinden, weiterzulesen, da einfach nichts wirklich spannendes passierte und ich mich genau wie Gemma langweilte. Dieser Zustand ließ erst nach etwa der Hälfte des Buches nach, etwa dann, wenn Gemma sich ebenfalls einlebt und ihre Langeweile auch abnimmt.

Von diesem Zeitpunkt an merkt man, wie sich langsam diese dem „Stockholm-Syndrom“ ähnelnde Gefühlslage bei Gemma einschleicht. Jedoch fällt es einem auch als Leser leicht, mit Ty zu sympathisieren, denn umso mehr man über ihn in Erfahrung bringt, desto mehr kann man sein Handeln in gewisser Weise nachvollziehen oder verstehen, wobei einem – genau wie Gemma – bewusst bleibt, dass ein Stück Psychopath in ihm steckt, obwohl die Entführung wie sie Gemma widerfährt doch ein relativ „mildes“ Verbrechen ist.

Generell konnte ich mich sehr gut in Gemma hineinversetzen. Ich weiß nicht, wie es mir in ihrer Situation ergangen wäre, aber vermutlich ähnlich wie ihr. Auch der Schreibstil trägt seinen Teil dazu bei. Hat man sich einmal an die Erzählweise, die stark an einen Brief erinnert, gewöhnt, behindert der doch recht simpel gehaltene Stil einen nicht in irgendeiner Form. Warum diese Perspektive gewählt wurde, klärt sich jedoch erst am Ende des Buches.

Schließlich verschmolzen meine eigenen Emotionen dermaßen mit den ihren, dass ich am Ende nicht mehr sicher war, wessen Gefühle ich eigentlich fühle und teilweise sogar den Tränen nahe war. Man wünscht sich einfach ein Happy End, einen Epilog für Gemma. Doch wie es weitergeht, das bleibt wohl jedem selbst überlassen. Genau wie die Frage, ob Gemma wirklich am Stockholm-Syndrom leidet, oder es doch alles ganz anders ist.

Weil ich gerade am Ende sehr aufgewühlt war und mich nicht mehr von Gemma und Ty trennen wollte, der erste Teil sich jedoch zog wie Kaugummi, gibt es 4 von 5 Kreuzen. Das Lesen lohnt sich dennoch.

† † † †

 

Gezeichnet Seitenfetzer

 

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2 Kommentare zu „Ich wünschte, ich könnte dich hassen

  1. Ich habe mir auch verzweifelt ein Happy End gewünscht, obwohl der Ton der Geschichte ja schon genug Hinweise bot. Das Buch ist mir dadurch aber auf jeden Fall noch lange im Gedächtnis geblieben.

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