Grufties – Jugendkultur in Schwarz

Cover (mit Scan-Code der Bücherei)

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Originaltitel: Grufties – Jugendkultur in Schwarz

Autor: Doris Schmidt & Heinz Janalik

Verlag: Schneider Verlag Hohengehren

Genre: Sachbuch

Seitenzahl: 126 (+Anhang)

Erscheinungsjahr: 2000

Ursprünglich war ich auf der Suche nach einem anderen Sachbuch zur Thematik „Schwarze Szene“ , jedoch stolperte ich über dieses Exemplar, dessen Klappentext folgendermaßen lautet:

Beobachtet man die Lebenswelten moderner Jugendlicher gerät automatisch eine verwirrende Vielfalt jugendkultureller Gruppierungen, Orientierungen und Stilisierungen mit in das Blickfeld. Offensichtlich sind hier im Laufe der letzten Jahrzehnte Kommunikations- und Handlungsfelder entstanden, deren Bedeutung als mannigfaltig begleitende Kontexte jugendlicher Entwicklungsverläufe unbestritten ist.

Ein besonders auffälliges und auf den ersten, flüchtigen Blick nur schwer decodierbares Kommunikationsmuster zeigen die Grufties mit ihrer vom modischen Mainstream deutlich abweichenden und durch kontrastierenden silberfabrenen Schmuck wirkungsvoll zur Geltung gebrachten schwarzen Kleidung. Mit dieser Jugendkultur in Schwarz, mit ihrem extravaganten und modisch außerordentlich inspirierenden Kleidungsstil setzt sich das vorliegende Buch auseinander, das im Rahmen des Forschungsprojektes Kleidung – Körper – Identität entstanden ist.

Zu den Autoren

Dr. phil., Dipl.-Päd. Doris Schmidt, seit 1982 Professorin für das Fach Mode- und Textilwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Mode- und Textildidaktik, Modesoziologie, Unterrichtsforschung

Dipl.-Päd. Heinz Janalik, Akademischer Oberrat; lehrt seit 1972 im Fach Sportwissenschaft / Sportpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Unterrichtsforschung, Sportentwicklung, Didaktik des Schulsports und der Bewegungserziehung

Das vorliegende Buch richtet sich an alle, die an dem spannenden und beobachtenswerten Phänomen Jugendkulturen und jugendkulturelle Kleiderstile interessiert sind: vornehmlich Mode- und Textillehrkräfte an Schulen und Hochschulen, Studierende der Fachrichtung Mode und Textil, Mode- und Textilwissenschaftler sowie in der Jugendforschung Tätige.

Warum auch immer sich eine Mode- und Textilwissenschaftlerin und ein Sportwissenschaftler sich dem Thema „Grufties“ widmen, bleibt mir doch recht schleierhaft. Jedoch kann man dem Klappentext bereits entnehmen, dass das Augenmerk des Buches vor Allem auf die Kleidung und andere äußere Eindrücke von Goths gelegt wurde.

In der Einleitung wird zunächst behandelt, welche Rollen Jugendkulturen und verschiedene Kleidungsstile in der Gesellschaft spielen. Anschließend konzentriert sich das Buch auf die „Grufties“. Und dort erwischte mich direkt eine erste Welle der Skepsis. Vielleicht neigen Mitglieder der schwarzen Szene dazu, ihre Räume etwas extravaganter zu gestalten, aber von schwarzen Räumen mit schwarzen Möbeln und abgedunkelten Fenstern oder dauer-heruntergelassenen Rolläden habe ich noch nichts gehört. Vielleicht kenne ich aber auch nur die „falschen“ Leute.

Anschließend werden auch Themen wie das Satanismus-Klischee angesprochen. Dabei wird Satanismus in einem Diagramm grafisch dargestellt, wobei ich mir die Frage stellte, ob dort wirklich „Heavy-Metal-Musik“ unter „Kultureller Satanismus“ als eine Unterform des Satanismus eingeordnet wird. Aber bestimmt lässt sich die religiöse Einstellung jedes Menschen anhand seiner Musik erfassen.

Und auch zwei kleine Schreifehler sind mir sofort ins Auge gesprungen. Das WGT als „Wave Gothic Treffen“ passiert ja des öfteren. Jedoch ist direkt neben dieses Schreibfehlers eine Festival-Broschüre (o.Ä.) des WGTs abgebildet. Da hätte man doch kurz nachschauen können. Der weitaus fatalere Fehler ist jedoch, eine komplett neue Band zu erfinden: Theaters of Tragedy ! Vermutlich ist damit Theatre of Tragedy gemeint, aber wenn man schon nach Bands recherchiert, darf man diese doch bitte auch fehlerfrei (ab)schreiben.

Jedoch kann man dem Buch anrechnen, dass es, was die Recherche zu den einzelnen Kleidungsstücken – und diese sind nicht zu wenige –  angeht, wirklich ausführlich ist. Ich persönlich hätte mir gerade mal die Hälfte denken können, wobei de Übersetzungen englischer Begriffe teils verwirred sind, sind einfache Wörter wie Spider zwar übersetzt, musste ich ein anderes doch nachschlagen.

Zudem lässt sich anhand des Buches sehr gut verdeutlichen, dass es durchaus „Trends“ (bzw. Entwicklungen) in der schwarzen Szene gibt, vergleicht man doch nur die aufgeführten Kleidungsstücke mit der heute alltäglichen Auswahl. Goth ist eben nicht gleich Goth.

Insgesamt wurde wirklich sehr viel zu jedem einzelnen Kleidungsstück erwähnt und interpretiert – teilweise wirklich sehr viel. Wenn ich etwas sehe, das mir gefällt, denke ich zumindest nicht darüber nach, ob ich nun „sample“ oder „revival“. Andererseits wurden im allgemeinen von der Gesellschaft eher kritisch betrachtete Symbole zu wenig untersucht. Ich glaube nicht, dass jeder Totenköpfe und umgedrehte nur zum Zweck des Schockens trägt.

Abschließend ist wohl zu sagen, dass man auch zu viel in Kleidung hineininterpretieren kann. Es ist durchaus interessant, mal ein paar mehr Hintergründe für das ein oder andere kennenzulernen, jedoch kann man es auch übertreiben. Letztendlich sollte Kleidung doch als das betrachtet werden, was sie ist: Kleidung.

Wer sich ein paar Hintergrundinfos oder Inspirationen aneignen will, sollte sich das Buch durchaus mal ansehen, jedoch verpasst man nicht DIE Erkenntnis über die Schwarze Szene, wenn man es bleiben lässt. Dafür gibt es also 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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