Gastrezension: Beutezeit

Cover Beutezeit

Originaltitel: Offspring

Autor: Jack Ketchum

Verlag: Heyne Hardcore

Genre: Horror

Seitenzahl: 288

Erscheinungsjahr: 2007 (DE)

>>Drei junge Paare wollen eine Urlaubswoche in einem abgelegenen Ferienhaus an der amerikanischen Ostküste verbringen. Was sie nicht wissen: die Gegend wird von einer Gruppe Verwahrloster heimgesucht, die unter primitivsten Bedingungen leben und Urlauber nur als Beute betrachten. Die Jagd beginnt …<<

Eins der erschreckendsten Bücher, das ich je gelesen habe. Robert Bloch

Inwiefern Herr Bloch das Buch für erschreckend hält, vermag ich nicht festzustellen – erschreckend im positiven Sinn oder doch eher im negativen Sinn? Ist es erschreckend gut, oder gar doch nur erschreckend schlecht? Viel wird über das Buch gesagt, und einige sehen in Jack Ketchum gar einen neuen Stern am Himmel der Horrorliteratur. Grund genug für einen Horrorfan mit Leib und Seele, so wie ich es bin, sich eines seiner Bücher zu Gemüte zu führen.

Die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken vermittelt den exakten Eindruck dessen, was die Story ausmacht; wenige zusätzliche, verborgene und erst später ans Licht kommende Storyfragmente sind zu finden. Doch muss es ja nicht immer ein tiefgründiges, verworrenes Storygerüst sein, dass mit Namen und Ereignissen und Details so vollgestopft ist, dass man entweder zurückblättern oder mitschreiben muss ; und tatsächlich reicht das wenige an Story aus, um die Spannung aufrecht zu erhalten.

Die Charaktere jedoch versetzen dem Lesespaß einen kleinen Dämpfer – zu stereotypisch sind die meisten von ihnen; einige werden kaum bis gar nicht eingeführt und gleiten bloß als Namen dahin, bis sie irgendwann ein schlimmeres Schicksal ereilt; lediglich eine der Protagonistinnen macht eine Wandlung durch, und wird dadurch auch zur Sympathieträgerin. Die Verwahrlosten hingegen erzielen als der Schrecken, als der sie erdacht wurden, ihre Wirkung vollauf.

Keine tiefgreifende Story, zum größten Teil oberflächliche Charaktere – es stellt sich die Frage, was das Buch denn ausmacht. Zum einen ist dies ein hohes Maß an explizit geschilderter Gewalt; während Ketchum bei anderen Beschreibungen zwar genug Details gibt, damit sich der Leser ein Bild vor Augen zu zeichnen vermag, lässt er bei den Gräueltaten keinen Stein auf dem anderen – man mag mir diesen Euphemismus verzeihen.

Doch neben der Gewalt ist es vor allem das Mitfiebern, das sich nach dem 1/3 des Buches festigte, welches mich zum Weiterlesen animierte. Ketchum versteht es, seinen Charakteren zumindestens soviel Leben einzuhauchen und genug Grauen erfahren zu lassen, dass man mit ihnen leidet und hofft, dass am Ende alles gut wird. Und dann kommt alles doch ganz anders. Ein paar Wendungen werden uns dann doch vor die Nase gesetzt.

Beutezeit mag sicherlich nicht jeden Geschmack treffen, ob seiner expliziten Gewalt und Rohheit; hat man sich damit jedoch abgefunden, vermögen die aussichtlose Stimmung und das ungewisse Schicksals der Charaktere es,  einen mitfiebern zu lassen. Dafür vergebe ich 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Horrorgeyst

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