icool

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Das Cover – der Aufkleber mit dem Strichcode stammt aus der örtlichen Bibliothek

Originaltitel: icool – Wir sind so jung, so falsch, so umgetrieben

Autor: Ric Graf

Verlag: rowohlt

Genre: Jugendbuch, Gesellschaftskritik, Erfahrungsberichte, Biographie

Seitenzahl: 206

Erscheinungsjahr: 2006

Preis: 7,90€

Zwar waren meine Erwartungen nicht allzu hoch, jedoch hätte ich bei folgendem Klappentext doch irgendwie etwas anderes erhofft:

<<Was bleibt von dieser Generation übrig, wenn man Coolness subtrahiert? Welche Ideale, Ängste und Unsicherheiten? Das Tagebuch eines modernen, urbanen Jungzwanzigers. Entlarvend, ehrlich und angenehm unzynisch konfrontiert er sich und uns mit seinem von Latte-Macchiato-Gesprächen und Clubabstürzen geprägten Alltag. Einer Realität zwischen tausend Bekanntschaften und totaler Einsamkeit. Ein verstörendes, ernüchterndes und trotzdem auf merkwürdige Weise ermutigendes Buch. Einmal angefangen – nicht mehr weggelegt.>> Nora Tschirner

Mir erging es da doch ein wenig anders als der geehrten Frau Tschirner.

Zunächst einmal ist es definitiv kein Tagebuch. Es sind eher kurze Einblicke in das Leben Grafs, die vermutlich ein interessantes Gesamtbild offenbaren sollten.

Das Buch beginnt damit, dass man darauf eingestimmt wird, verschiedene Ereignisse eines Jahres aus dem Leben des Autors kennenzulernen. Wobei das schon nicht vollkommen stimmt, erwähnt er doch auch immer wieder Gegebenheiten seiner Kindheit. Da das Buch etwas älter ist, handelt es sich hierbei hauptsächlich um das Jahr 2005, also einer Zeit vor Smartphones, One Direction und Primark und was es nicht alles gibt.

Im Laufe der „Handlung“ werden, wie bereits erwähnt, verschiedene Gegebenheiten nacherzählt, wobei der Schwerpunkt darauf gelegt wurde, das Leben der verschiedenen Bekanntschaften des Autors anzuschneiden und warum seine Generation doch so hoffnungslos sei. Über sich selbst verliert Graf dafür, dass es im Grunde doch um ihn gehen sollte, verhältnismäßig wenige Worte.

Doch damit könnte ich mich sogar noch abfinden, wäre das Buch nicht einfach von Grund auf so negativ. Jeder der genannten  Personen (und das ist eine erhebliche Anzahl) hat irgendein schlimmes Schicksal, was sein oder ihr Leben daran hindert, überhaupt lebenswert zu sein. Ich glaube durchaus, dass die Menschen alle ihre schönen und lebensfrohen Momente haben und letztendlich wohl doch irgendwo glücklich sind oder es zumindest sein könnten (bis auf eine Ausnahme eventuell), jedoch formuliert Graf alles dermaßen negativ, dass man das Gefühl hat, man könne in der heutigen Zeit nicht glücklich werden und sollte sich am besten gleich unter der Bettdecke verkriechen.

Und allein schon die Anzahl der Personen ist verwirrend, denn anstatt bei einer neuen Begebenheit kurz zu erwähnen, ob die Person schonmal vorher vorkam, muss man sich jedes Mal fragen, ob man den Namen schon gelesen hat oder nicht und wer denn nun nochmal wer war.

Positiv an dem Buch ist wohl hervorzuheben, dass die Atmosphäre eines anonymen Großstadtlebens, nach dem ich mich insgeheim momentan wohl ein klein wenig sehne, durchaus rüberkommt und ich mir hin und wieder habe vorstellen können, irgendwo von einem Hochhaus über die Lichter der Stadt hinwegzuschauen.

Dennoch verfälscht das Buch schlichtweg das Bild der „jungen Generation“. Falls Graf wirklich so denken sollte, wie er es darstellt, habe ich wirklich Mitleid mit ihm, denn obgleich die Zukunft düster scheinen mag, man kann das Glück nicht prinzipiell ausschließen – dafür ist es in der Regel zu präsent. Die Message des Buches, wenn man sie denn versucht zu finden, ist also viel zu negativ, zumal es auch äußerst störend ist, dass Graf viele Dinge verallgemeinert. Beispielweise wird behauptet, dass man über Dinge wie den Verlust der eigenen Mutter mit niemandem – erst recht nicht mit den engsten Freunden – reden kann. Wer solcher Meinung ist, hat eindeutig die falschen Bekanntschaften, denn gerade diese Elemente machen eine tiefgründige Freundschaft doch aus.

Alles in Allem ist icool von Ric Graf also ein eher negatives Buch, dass einen meiner Meinung nach verfälschten Blick auf die Jugend wirft, der auch von einem älteren Mann, der nichts anderes zu tun hat, als sich aufzuregen, stammen könnte. Mir ist weder klar geworden, was er mir mit den Ereignissen vermitteln wollte noch, wieso er ausgerechnet das Jahr 2005 ausgesucht hat. Dennoch war es nicht so schlecht, dass ich es am liebsten verbrannt hätte, was daran liegt, dass ich solche „wahren Geschichten“ durchaus mag.

Daher gibt es also 2 von 5 Kreuzen, da absolute Fans derartiger Literatur zumindest ein wenig Gefallen daran finden können.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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