Schwarzer Schnee

Originaltitel: Schwarzer Schnee

Autor: Lotte Kinskofer

Verlag: dtv

Genre: Thriller, Jugendbuch

Seitenzahl: 270

Erscheinungsjahr: 2010

Preis: 6,95€

Schwarzer Schnee – dieses Buch, das ich bei meiner Bücherei-Beute glatt vergessen hatte, überzeugte mich durch seinen Titel und folgenden Klappentext:

Der Schein kann trügen. Wer ist Täter, wer ist Opfer?

Laras Bruder Simon ist verschwunden. Einfach so. Niemand hat eine Erklärung, auch die Polizei nicht. Lara fängt auf eigene Faust an zu recherchieren – und findet seltsame Dinge, die so gar nicht zu ihrem Bild von Simon passen. Unterdessen beginnt die Gerüchteküche zu brodeln. Von Gewalt, Folter, Erpressung ist die Rede. War Simon Täter oder Opfer? Lara muss es genau wissen – um jeden Preis!

Wobei der Klappentext so gar nicht stimmt. Vielmehr war bei besagter Gerüchteküche von Familiendrama, Drogen und Abenteuerlust die Rede, aber wie dem auch sei, dies wäre ja noch zu verzeihen. Jedoch fiel mir schon gleich zu Beginn des Buches der Schreibstil ins Auge.

Ziemlich abgehackter Schreibstil. Ist sowieso nicht mein Fall. Hat mich gestört. War auch alles sehr simpel geschrieben. Jugendbuch halt. Trotzdem irgendwie nervend.

Wenn man das in ein paar spannenden Situationen macht, okay, aber wenn mehrere Kapitel mit einer so ruckelnden sprachlichen Gestaltung ausgerüstet sind, vergeht mir ziemlich schnell die Leselust – und das schon zu Beginn. In der Mitte des Buches besserte sich der Schreibstil, meiner Meinung nach. Ob es allerdings daran lag, dass ich mich an die kurzen Sätze, die nie mehr als einen Nebensatz beinhalten durften, gewöhnt habe, oder aber, ob die Autorin nicht chronisch Spannung erzeugen wollte, kann ich nicht beurteilen.

Auch gefiel mir die Wahl der Perspektive für die Geschichte nicht. Die Ereignisse werden aus Laras Sicht erzählt. Da sie, deren Charakter für mich im Übrigen sehr schwer einzuschätzen war, wozu ich aber gleich noch komme, nicht die Einzige der Familie war, die unter dem Verschwinden Simons litt, und scheinbar auch die Emotionen ihrer Eltern deutlich werden sollten, muss sie teils wie Speedy Gonzales von einem Ort zum nächsten flitzen, um wichtige Ereignisse wie den Streit ihrer Eltern um Simons Zahnbürste zu nennen, und kurz darauf wieder an einem anderen Ort ist.

Zu Laras Charakter ist zu sagen, dass sie auf mich schlichtweg platt wirkte. Am ehsten hätte ich sie ja noch als naives Mauerblümchen einordnen können, jedoch würde das nicht zu dem Mädchen mit den vielen Cliquen, die ihrem älteren Freund Max und ihrem Freund aus Kindertagen, der nur um ihr zu helfen nach Jahren wieder auftaucht, mit links den Kopf verdreht, die mal eben beschließt, allein nach Frankfurt zu fahren oder in Notsituationen Fensterschreiben einschlägt, das sie ja sein soll, passen. Außer in jenen „coolen“ Momenten ist sie eher ein naives Ding, das wirkt als würde es ihren großen 15-jährigen und nicht ihren kleinen 15-jährigen Bruder suchen und müsste sich dabei stets von anderen bevormundne und an der Nase herumführen lassen.

Vielleicht gibt es Mädchen, die sich mit ihr identifizieren können – mir fiel es schwer, zumal sie erst unmittelbar vor dem Ende eine der großen Lügen durchschaute, während mir beim Lesen schon ab der Hälfte klar war, wer denn nun gut und böse ist.

Insgesamt hat es mich auch ziemlich genervt, dass die Liebesgeschichten Laras, die zugegeben durchaus eine Rolle für die Geschichte spielen, den eigentlichen Mittelpunkt  darstellten, sodass mich das Ganze eher an eine Mischung aus „Die Drei ???“ und „Freche Mädchen“  als an einen Jugend-Thriller ab 13 erinnert hat, denn selbst mein jüngeres Ich hätte die Protagonistin für unfähig und nervig gehalten.

Das einzig Gute war, dass sich, wenn auch nur durch die Liebesgeschichte vermittelt, eine kleine Moral erkennen ließ. Man könnte es ungefähr so formulieren: „Egal, wie Jemand sein Leben führt, es zählt nur, wie er mit dir umgeht.“ Auch wenn das ein wenig nach Facebook-Moralspruch klingt.

Alles in Allem betrachtet sagte mir „Schwarzer Schnee“ also überhaupt nicht zu, wegen der Protagonistin, die sich herumschubsen lässt, des abgehackten Schreibstils und der Vorhersehbarkeit der Handlung. Für die kleine versteckte Moral kriegt das Buch aber zumindest noch eines von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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