Retrum

Originaltitel: Retrum

Autor: Francesc Miralles

Verlag: Loewe

Genre: Thriller

Seitenzahl: 346

Erscheinungsjahr: 2012

Preis:14,95€

Dafür, dass ich das Buch fast nicht bemerkt habe, hat es mich dermaßen umgehauen, dass es irgendwie Schicksal gewesen sein muss. Denn auch der Klappentext ist eher unscheinbar, versucht, nicht zu viel zu verraten:

Vier Freunde verbindet eine Leidenschaft:

das Spiel mit dem Tod.

Doch das Spiel wird zur Gefahr…

und dann holt der Tod sie ein.

Was als Spaß beginnt, endet tödlich.

Erst daheim bemerkte ich, dass dieses doch eher unscheinbare Buch es ganz schön in sich hatte: Zunächst viel mir erstmal auf, dass die Seiten schwarz sind (welch Blitzmerkerin ich doch bin…), was daher rührt, dass die Seiten jeweils mit schwarzen Flecken (evtl. Blut?) verziert sind. Als nächstes entdeckte ich, dass das Buch insgesamt in fünf Teile, die alle mit einem schemenhaften Bild eingeleitet werden, eingeteilt ist, die widerrum in einzelne Kapitel unterteilt sind, die nicht länger als fünf Seiten sind. Und jedes dieser Kapitel beginnt mit einem meist ziemlich gut zum Kapitel passendem Zitat.

Doch nicht nur die optische Gestaltung gibt dem Buch eine ganz besondere Atmosphäre; auch die Geschichte an sich ist eher ein wenig düster gehalten und doch nicht von schwerer Düsterheit. Es ist jung, frisch und dennoch sehr schwarzromantisch – ein Wandel auf einem schmalen Grad, der mir so noch nicht untergekommen ist.

In der Geschichte an sich geht es um Chris, der nach dem von ihm verschuldeten Tod seines Zwillingsbruders in einer Art Leere weiterexistiert (von Leben kann keine Rede sein), bis er bei einem Spaziergang ein Trio bestehend aus Alexia, Lorena und Robert, das sich Retrum nennt, begegnet. Mit ihnen entdeckt er eine Welt voller Dunkelheit, Friedhofsromantik und Kontakt zu Toten und er und Alexia, die ihn bei ihrer ersten Begegnung noch getreten hatte, kommen sich näher, bis in einer Friedhofsnacht eine unheilvolle Wendung eintritt…

Man könnte dem Buch vorwerfen, es sei klischeehaft, da die Vier sich überwiegend auf Friedhöfen aufhalten und ansonsten Musik von den Sisters of Mercy und anderen bekannten Urgesteinen des Gothic-Rocks hören, doch wer sich, wie ich, daran nicht unbedingt stört, sollte dem Buch durchaus eine Chance geben. Gerade dadurch, dass auch oftmals Song- und Gedichtszitate in die Geschichte einfließen, indem der Protagonist Chris sie hört oder liest und dann darüber nachdenkt, wirkt das Ganze noch ein Stück greifbarer. Eine Greifbarkeit, die mich in ihren Bann gezogen hat.

Lange nicht mehr ist es mir passiert, dass ich beim Lesen wirklich kein einziges Mal auf die Seitenzahl geschielt habe – Retrum hat es geschafft. Man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen und bemerkt das verfliegen der Seiten kaum, was auch mit dem gelungenem Schreibstil zusammenhängt.

Allerdings hat mich das Ende ein wenig überrumpelt. Die Geschichte kommt zugegebenermaßen ein wenig schleppend ins Rollen, sodass das Ende förmlich über einen hereinbricht. Unzählige Offenbarungen, die man nur teilweise hätte erahnen können, da sie zuvor angedeutet wurden, werden gemacht und fast alles steht plötzlich in einem anderen Licht da. Außerdem schreit der Epilog förmlich nach einer Fortsetzung, die es in Spanien allerdings wohl schon geben soll.

Dennoch, Retrum ist ein Buch, das mich gepackt und angesprochen hat wie vielleicht keines zuvor, weswegen es 5 von 5 Kreuzen von mir erhält.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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