Gothic!

Originaltitel: Gothic! – Die Szene in Deutschland aus der Sicht ihrer Macher

Herausgeber: Peter Matzke und Tobias Seeliger

Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Genre: Sachbuch

Seitenzahl: 235

Erscheinungsjahr: 2000

Preis: 39,80 DM (momentan für 9€ gebraucht auf Amazon)

Zugegeben habe ich nach dem „Goth-Chic“ (s. Rezension) gezweifelt, ob ich noch einmal einem Buch aus der Bücherei die Chance geben soll, mich davon zu überzeugen, dass man doch gute Sachbücher über die Schwarze Szene schreiben kann. Dennoch habe ich es einfach mal auf gut Glück mitgenommen. Vielleicht lag es daran, dass sich der Einband, der eigentlich nichts besonderes ist, irgendwie schön anfühlt. Allerdings ist das Buch insgesamt für 235 Seiten ziemlich schwer.

Aber beginnen wir mit dem Klappentext:

Die Gothic-Szene ist in aller Munde. Malerisch gewandete >>Grufties<< sind wieder zu sehen in der urbanen Landschaft, CDs mit gewissen Stimmungen und Botschaften dringen in die Charts vor, Clubs und Szene-Läden boomen. Otto Normalverbrauchers Bild vom >> Gothic<<, >>Gruft<< oder >>Schwarzromantiker<< ist nach wie vor völlig diffus. Es schwankt von freundlich-belustigter Distanz bis zu unverhohlener Ablehnung. Die Klischeevorstellungen verlassen selten die schmale Gasse zwischen Sargbett und Satanismus, man hat Angst vor blutsaufenden Grabschändern und neuerdings vor Nachwuchsfaschisten.

Die Szene selbst ist wie kaum eine andere in sich differenziert und selbst für Insider kaum zu überschauen. Es hat noch keine alternatie Jugendbewegung gegeben, die in Musik, Outfit, Weltaunschauung und Lebensgefühl ein derart breites Spektrum an Meinungen vereinte und tolerierte.

Dieses Buch läßt die Protagonisten selbst zu Worte kommen. Ausgewählte Szenegesichter – meist Musiker – schildern ihre ganz eigene Sicht. Die Themen und Stilistiken sind vielfältig, die Meinungen teilweise konträr. Das Buch kann querbeet gelesen werden, denn jeder Beitrag steht für sich – doch insgesamt sind sie Teile eines Puzzles, das einen repräsentativen Überblick über die Szene liefert.

Einen wesentlichen Teil des Bandes bestimmen Fotos. Gerade diese Szene ist stark optisch orientert; ausgewählte, zum großen Teil eigens für dieses Projekt gemachte Aufnahmen dokumentieren Stars und Fans, Lebens-Stil und Ästhetik – vor allem aber jene ganz eigene Atmosphäre, die viele an der Szene so fasziniert.

Ich will es kurz machen: Das Buch hat mich überrascht. Und zwar vollkommen positiv. Obgleich es aus dem Jahre 2000 stammt, von den Aussagen her könnte es auch aus diesem Jahre stammen. Die Sorgen und Gedanken haben sich also kaum geändert. Irgendwie beruhigend zu wissen, dass schon damals die Angst vor Kommerz im Schwarzem (auch oder vor allem in Bezug auf das WGT) und den Problemen der verschiedenen Generationen existierten.

Was mich aber besonders überzeugt an dem Buch ist, dass wirklich so viele verschiedene Menschen zu Wort kommen. Da ist von Leuten, deren Leben wirklich nur aus Musik zu bestehen scheint, Heiden, Gothic Metalern, den großen Kritikern und Denkern bis hin zur Szene in Japan wohl so ziemlich alles dabei. Die Idee ist gut, die Umsetzung grandios. Wie ließe sich die Schwarze Szene, die wohl komplizierteste „Jugendkultur“ besser darstellen, als einfach die einzelnen Facetten höchstpersönlich auftreten zu lassen?

Für Leute, die sonst nur mit den Mechanismen der Mainstream-Kultur vetraut sind, ist dieses Buch gewiss nicht ganz einfach nachzuvollziehen. Ein wenig sollte man schon wissen, was für Strömungen es so gibt und auch, dass auch in einer Szene die unterschiedlichsten Menschen anzutreffen sind.

Alles in Allem wird das Buch auch durch die teilweise sehr persönlichen Passagen, wenn die Künstler Anekdoten – teilweise aus ihrer Jugend – erzählen und durch die verschiedenen Schreibstile, in denen man die verschiedensten Charaktere erkennt, sehr lebendig.

Wirkliche Kritik habe ich eigentlich keine . Klar, die ein oder andere Aussage hat mir persönlich nicht so ganz in den Kragen gepasst, aber das ist wohl rein subjektive Ansichtssache, sodass man sich am besten selbst ein Bild machen sollte.

Deshalb erhält das schöne Stück, auch wenn ich dabei das Gefühl nicht loswerde, zu oft das Maximum zu vergeben, 5 von 5 Kreuzen. Und ich finde es irgendwie schade, dass ich es heute wieder werde abgeben müssen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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