Noch lange danach

Originaltitel: Noch lange danach

Autor: Gudrun Pausewang

Verlag: Ravensburger Buchverlag

Genre: Gesellschaftskritik, Jugendbuch

Seitenzahl: 122 + 4 Seiten Nachwort

Erscheinungsjahr: 2012

Preis: 9, 99€

Falls jemand nun denkt, dass ihm oder ihr der Name Gudrun Pausewang etwas sagt-die Person könnte rechthaben. Bekannt ist sie vor allem durch ihr Buch „Die Wolke“, das sie nach der Tschernobyl-Katastrophe schrieb. Nun, nach Fukushima, hat sie ein neues Buch, welches sich ebenfalls mit dem Thema Atomenergie und deren Gefahren befasst. Der Klappentext besagt folgendes:

      >>Auch dieses Buch schrieb ich nicht, um Ängste zu schüren, sondern als Warnung vor einer großen Gefahr.<< Gudrun Pausewang

Eine Atomaktastrophe in Deutschland? Bis zu dem Tag, als es wirklich passiert, ist das für viele unvorstellbar. Das Mädchen Vida lebt vierzig Jahre nach dem GAU. Das bedeutet: aushalten, dass ihre Familie alles verloren hat. Sich sorgen um die depressive Mutter. Erleben, dass immer mehr Stühle im Klassenzimmer leer bleiben. Und trotzdem nicht den Glauben verlieren, dass man auch in dieser Welt noch etwas ändern kann.

Ein eindringliches Plädoyer der preisgekrönten Autorin des Bestsellers >>die Wolke<<

Nach diesem Klappentext ging ich davon aus, dass der Alltag des Mädchens Vida geschildert wird, vielleicht sogar in Tagebuchform und vor allem, dass dieses weniger werden der Schüler mit Emotionen verbunden dargestellt wird. Dem ist nicht so.

Das Buch ist als Interview, ein Monolog sozusagen, geschrieben. Bei diesem Interview erzählt Vida Austauschschülern aus Südamerika über ihr Leben, den GAU und vor allem dessen Folgen. Zwar wird dies überwiegend auf ihre Familie bezogen, dennoch wird man nicht so recht ergriffen, da Vida das Ganze ziemlich trocken und emotionslos berichtet.

Klar, man könnte auch kritisieren, dass die von Vida erzählten (und doch sehr arg auf ihre Familie geballten) Schicksalsschläge auch ohne eine Atomkatastrophe geschehen können, doch würde ein GAU diese Ballung auf eine Familie, auf drei Generationen, die Wahrscheinlichkeit erheblich erhöhen.

Trotz der ausführlichen Beschreibung der Geschichten, die durch den GAU ihrer Familie widerfahren sind, hätte ich dennoch gern einen größeren Einblick in Vidas Alltag gehabt. Gibt es in solchen Zeiten noch Freundschaft oder bleibt man lieber mit seinem Kummer allein? Wie kann Vida so ruhig und abgeklärt über das langsame dahinscheiden ihres Freundes Ronny sprechen? Die Erklärung, dass die häufigeren Todesfälle einen abhärten Gegenüber Trauer, gefällt mir nicht sonderlich.

Dennoch finde ich es interessant, ein Gedankenspiel zu eröffnen, wie es nach einem GAU in Deutschland aussähe und die Präsens des Wissens, dass, selbst wenn die Atomkraftwerke 2022 vom Netz sein sollen, wir bis dahin uns nicht in Sicherheit wiegen können, wird durch das Buch wieder in den Vordergrund geholt.

Besonders gut geeignet ist das Buch für den Schulunterricht, da die Sprache nicht unbedingt anspruchsvoll für ein ab 14 empfohlenes Buch ist und somit auch lesefaulere nicht demotiviert werden. Außerdem hat es eine gute Länge und Thematik. Man könnte es im Unterricht aufarbeiten, indem man die Wahrscheinlichkeit der beschriebenen Szenarien diskutiert und nachforscht.

Wenn man es daheim liest, ist es höchstens Lektüre für zwischendurch, die man locker innerhalb von 2 Stunden durchgelesen hat.

Wie gesagt hat die Autorin es für Jugendliche ab 14 Jahren angedacht, kann durch den einfachen Text aber durchaus ab 12 gelesen werden, würde ich sagen.

Noch lange danach- ein Buch, das zum Denken anregen soll, dies allerdings nicht unbedingt mit genügend Emotionen verbindet und mich daher doch relativ kalt gelassen hat und deshalb nur 2 von 5 Kreuzen erhält.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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