Goth Chic

Originaltitel: Goth Chic a connoisseur’s guide to dark culture

Autor: Gavin Baddeley

Verlag: Heel

Genre: Sachbuch

Seitenzahl: 288

Erscheinungsjahr: 2009

Preis: 19,95 €

Bevor ich auch nur ein Wort sage: Dies ist eine vollkommen persönliche Meinung, die allerdings auch von anderen geteilt wird (www.bibiliofeles.de/2011/06/29/rezension-goth-chic-der-inside-guide-über-die-schwarze-szene-von-gavin-baddeley). Ihr dürft euch dennoch gerne ein eigenes Bild machen, haltet allerdings nicht alles für wahre Münze.

Allein der Titel Goth Chic Der INSIDE-GUIDE über die Schwarze Szene klingt vielversprechend. Das Buch ist aus dem Jahre 2009, weswegen ich damit gerechnet habe, relativ aktuelle Informationen vorzufinden. Eine Art Potrait der Szene und ihre Wandlung seit den 80-ern, aufräumen mit Vorurteilen und ähnliches. Vielleicht Berichte über Festivals, ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe.

Aber fangen wir mit dem Klappentext an:

GOTH CHIC beleuchtet die faszinierende Gothic-Kultur von innen. Aus einer Pop- und subkulturellen Perspektive zeigt es die verborgenen Juwelen der Ungergound- sowie der Mainstream-Erscheinung, indem es die wichtigsten, aufregendsten und ungewöhnlichsten Werke, Figuren und Ideen in den verschiedenen Bereichen der dunklen Kultur auswertet, einschließlich Vampirkult, Horror-Comics, Fetisch-Clubs und Gothic-Rock-Superstars.

„Baddeley  ist schon sehr bald zum Schutzheiligen des Gothic-Journalismus geworden. Goth Chic ist gut geschrieben, äußerst informativ und derzeit die beste Einführung in die Gothic-Kultur und den Gothic-Stil, die sich an ein breites Publikum richtet.“ Journal of Popular Culture

„Kenntnisreich und umfassend. Goth Chic ist eine großartige Einführung in die Subkultur.“ Kerrang!

„Ein enormer Reiz für Liebhaber von gepiercten Brustwarzen und Latexhosen. Es enthält eine Menge Material über die Entsehungsgeschichte von Gothic- und Neo-Gothic Bands; Baddely bezieht in diese Zusammenstellung auch Joy Devision, die Cramps, David Bowie und die Rolling Stones ebenso wie Bauhaus und die Sisters of Mercy mit ein.“ New Statesman

Hingegen der Meinungen im Klappentext wage ich zu behaupten, dass das Buch als Einführung in die Szene absolut nicht geeignet ist.

Ja, ich gebe zu, irgendwann habe ich Kapitel übersprungen, weil mir die Informationen aus den Ohren herauszuquillen drohten und bin zu interessanter klingenden Kapiteln übergegangen.

Aber von vorn. Zu Beginn wird man mit Namen und Personen aus der Gothic-Literatur überschüttet bombadiert. Wobei ich diesen Teil allerdings noch als relativ interessant wahrgenommen habe. Die Autoren und ihre Charakterzüge wurden lebendig dargestellt.

Im Nächsten Kapitel geht es um die „Gothic-Filme“, die später als Horror-Filme bekannt wurden. Da ich kein sonderlicher Film-Freak bin und wahrscheinlich selten Filme aus dem frühen 20. Jahrhundert zu Gesicht bekommen werde, habe ich in der Flut der Titel, Regisseure, Schauspieler und weiß-der-Kuckkuck-wer-noch schnell den Überblick verloren.

Da war mir das folgende Kapitel über moderne Horror-Literatur schon lieber, auch wenn es nicht allzu einfach war, alle Namen von „alter“ und „neuer“ schwarzer Literatur auseinanderzuhalten, geschweige denn zu behalten. Aber zumindest werde ich dem ein oder anderen Namen noch des Öfteren begegnen.

Mein persönlicher Liebling, zusammen mit den Literatur-Kapiteln, war wohl das über „dunkles“ Fernsehen und Radio, da ich der ein oder anderen der genannten Sendungen wohl eines Tages meine Aufmerksamkeit widmen. Zumal ich durchaus Kontakt zu Personen habe, die ein paar der genannten Sendungen (u.A. Akte X, Supernatural) mögen.

Doch die anschließenden Kapitel habe mich irgendwie verstört. Was genau hat nochgleich Blues mit der Gothic-Kultur von heute zu tun? Wenn mir jemand dies nochmal kürzer als auf 20 kleingedruckten Seiten erklären könnte, würde mich das durchaus interessieren. Auch bei den vielen Bandnamen, von denen mir durchaus ein paar bekannt waren, verlor man schnell den Überblick, da, bevor man zur Geburt des eigentlichen Gothic-Rocks kam, sich noch durch Rockabilly-, Psychobilly-  und Rock’n’Roll Bands und dessen Fans, Auflösungen und Todesfälle wühlen musste, weil ABC ja DEF, die wiederrum die JKL beeinflussende Band GHI geprägt haben, was dazu führte, dass entfernt durch XYZ beeinflusste Bands irgendwie in Verbindung mit Bauhaus standen. Herzlichen Glückwunsch. Natürlich kann es auch daran liegen, dass ich diese Zeit schlichtweg nicht miterlebt habe, doch da sich das Buch ja auch an Einsteiger, die diverse Underground Bands auch nicht kennen dürften, richtet, sind es einfach zu viele Informationen.

Und ich habe nicht mitgezählt, wie oft innerhalb eines Kapitels Bands als „die vielleicht erste Gothic-Rock Band“ betitelt wurde, weil irgendein Journalist aus der Zeit sie mal mit dem G-Wort umschrieben hat.

Irgendwann habe ich den Kampf mit den nicht enden wollenden Namen aufgegeben und bin zum Kapitel Dunkle Engel der Sünde Der Moderne Gothic- Sensibilität & Sinnlichkeit. Warum auch immer habe ich darauf gehofft, nun endlich zu der aktuellen Szene zu gelangen-doch Pustekuchen. Der erste Teil legt ohne wenn und aber fest, dass BDSM mit einem Goth gleichzusetzen ist.  Genau. Denn auch Leute, die eine Vorliebe für viktorianische Kleidung hegen, zeigen sich prinzipiell nur in Gummi und Latex, was laut dem Buch zur Gothic-Subkultur zählt.

Als nächstes geht es in dem Kapitel um Vampirismus. Seitenlang wird darüber berichtet, wie sich die „aktuelle“ Szene des Vampirkults präsentiert-dass diese Szene in den 90-ern ihre Blüte zu haben schien, so das Buch von 2009, hindert natürlich nicht, dass es genau den aktuellen Stand anzeigt. Nachdem dann über die verschiedenen Lager der Vampir-Freunde (diejenigen, die BDSM mit Blut mixen und diejenigen, die behaupten Vampire zu sein aber kein Blut trinken-weil es bestimmt keine Zwischendinger gibt/gab) berichtet wird, besagt ein zur Abwechslung kurzer Satz, dass die eigentlichen Goths jene Pseudo-Vampire eher nicht allzu ernst nahmen. Wieso wird dann ein halbes Kapitel über die momentane Gothic-Subkultur mit von Goths nicht sehr angesehenen „Vampiren“ statt mit der Vielfalt der mittlerweile großen, schwarzen Familie gefüllt? Ich glaube nicht, dass sich Cybergoth und co. erst in den letzten drei Jahren entwickelt haben.

Nach dem Kapitel habe ich das Lesen aufgegeben. Wer nach Gothic in den verschiedenen Medien sucht, für den mag dieses Buch vielleicht recht unterhaltsam sein, aber für wirkliche „Einsteiger“, die wissen wollen, was sich hinter diesen Goths verbirgt, lohnen sich die 20€ für das Buch schlichtweg nicht.

Soviel zu meiner mal nicht so positiven Meinung. Aufgrund dieser Verfehlung der Thematik erhält das Buch nur 1 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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2 Kommentare zu „Goth Chic

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